Ehemaligenportrait: Dhana Sauernheimer

Dhana Sauernheimer ist die erste mutige Ehemalige die sich für unsere Kategorie der „Ehemliagenportraits“ den harten Fragen der Blogredaktion gestellt hat. Vom Medieninformatiker zum Spieleentwickler: In unserem Interview erzählt sie, wie sie das geschafft hat.

Blog: Wie genau hast du Medieninformatik studiert?
Dhana: Ich habe 2005 direkt nach dem Abi mit Medieninformatik an der LMU (damals noch Diplom) angefangen. Der Studiengang klang bereits nach der ersten Informationssuche sehr spannend und „genau richtig“ für mich – und das ist auch so geblieben. Die Entscheidung fiel mir sehr leicht und ich habe sie tatsächlich bis heute nie bereut.

Blog: Und wie verlief dein Studium so?
Dhana: Ich habe 10 Semester lang studiert und hielt mein Diplomzeugnis Ende 2010 in Händen. Bis zum 7. Semester war ich sehr schnell und wäre in diesem Tempo auch locker in der Regelstudienzeit geblieben. Wegen eines langen Krankenhausaufenthaltes nach einem Unfall musste ich mich zum Ende etwas mehr Zeit lassen, aber auch das war gut machbar, denn ich hatte  doppelt Glück: Erstens, weil ich zu dem Zeitpunkt bereits alle Scheine hatte, und  zweitens, weil es mir sogar ermöglicht wurde, die Diplomarbeit vom Krankenbett aus zu schreiben. Sehr schade war nur, dass ich die Uni im letzten Jahr so gut wie nie sehen konnte – eigentlich nur zu Prüfungsterminen.

Blog: Wo arbeitest du jetzt?
Dhana: Ich habe Anfang 2011 in der Spielebranche angefangen und bin seit nun einem guten Jahr bei Gameforge Productions GmbH mit Sitz in Karlsruhe als Frontend Developer tätig. Mit allen Tochterunternehmen kommt die Gameforge auf rund 600 Mitarbeiter und ist damit neben Bigpoint eines der größten Spieleunternehmen in Deutschland. Wir sind Anbieter von über 20 Spielen (MMOs und Web Games), die in insgesamt 55 Sprachen übersetzt werden und weltweit über 300 Millionen Spieler haben. Sie sind allesamt free-to-play und finanzieren sich über virtuelle Güter – Features, die man mittels Premium-Währung zusätzlich kaufen kann.

Blog: Und was machst du dort?
Dhana: Ich arbeite im Team „Frontend / Webdesign / UX“ als Frontend Developer und bin insbesondere für das Browser-Strategiespiel „Ikariam“ zuständig – an der Schnittstelle zwischen Entwicklung, Screendesign und Usability. Da gibt es neue Inhalte, Features und Events, die diskutiert und umgesetzt werden, und natürlich immer wieder Anpassungen an die verschiedensten Anforderungen der Nutzer – man denke nur mal an mobile Geräte.

Blog: Cool! Erzähl‘ uns mehr zu deinem aktuellen Projekt!
Dhana: Seit längerer Zeit bin ich dabei, Ikariam in ein neues, frisches Layout zu packen – weg vom „alten“ Stil der tabellenbasierten Webgames, hin zum „Web 2.0“-Feeling. Das Ziel ist es, die Spieler mehr in die antike Welt  von Ikariam eintauchen zu lassen, es soll sowohl technisch als auch optisch zeitgemäßer werden. Nähere Details sind noch unter Verschluss – das Release steht kurz bevor und wir sind alle sehr gespannt, wie das Ergebnis angenommen wird.

Blog: Erzähl uns doch mal ein paar Anekdoten aus deinem Studium.
Dhana: Ich denke oft mit einem grinsenden Seufzen zurück an mein Studium, weil’s einfach eine wahnsinnig schöne, spannende Zeit war. Das ging bereits los mit meiner allerersten Vorlesung: 200 Leute saßen mit geschockten, verwirrten und verängstigten Blicken in „Lineare Algebra I“ – ich war eine von ihnen, genau 10 Minuten lang. Dann kam ich auf die Idee, mal nach links und rechts zu schauen, und musste laut lachen, als ich sah, dass es allen anderen genauso ging.
Wir hatten eine tolle Gemeinschaft, gerade die vielen Projekte in kleinen Gruppen im Hauptstudium haben uns sehr zusammen geschweißt. Wir haben zu den unmöglichsten Uhrzeiten zusammen gearbeitet („Treffen wir uns wie immer heute Mittwoch Nacht um halb 1 bei mir?“), und an den unmöglichsten Orten (ich erinnere mich an eine „Geburtstagsparty“ bei einem Filmdreh an der Tankstelle in einem Kaff namens Mintraching. Das ganze um 5 Uhr morgens, und wir hatten sogar Kuchen dabei!) – Natürlich war es anstrengend, aber ich möchte die Zeit wirklich nicht missen.

Blog: Gibt’s auch Dinge die dir nicht so gut gefallen haben?
Dhana: Nun ja, beim Vertiefungsgebiet Kommunikationswissenschaft habe ich mich wohl ein wenig verwählt.  Zwar habe ich sehr bald festgestellt, dass es mir überhaupt nicht gut lag, wollte es aber dennoch durchziehen. Das war im Nachhinein betrachtet ein Fehler – aber wer weiß; hinterher ist man ja immer schlauer.

Blog: Wie war deine Abschlussarbeit?
Dhana: Mein Diplomarbeitsthema kam direkt aus der Ecke meiner größten privaten Leidenschaft, der Musik. Ich entwickelte und evaluierte ein Programm für Tablets, mit der man mit einem einfachen, „anfängerfreundlichen“ System, der Piano Roll Notation, direkt am Musikinstrument Noten editieren konnte – ob als skizzenhafte Notation von Kompositionen oder für Schüler zum Erlernen von musiktheoretischen Hintergründen. Während mein Prototyp damals natürlich nur sehr holprig und unvollständig umgesetzt war, hat es mich umso mehr erstaunt, als ich vor einem halben Jahr tatsächlich eine iPad-App ausprobieren konnte, die genau das tat – und sich dabei richtig gut und sinnvoll anfühlte!

Blog: Wie macht sich dein Studium in deinem Berufsleben bemerkbar?  
Dhana: Was das Studium bei mir enorm geschult hat, ist ein gutes Abstraktionsvermögen. Ich stehe so oft vor Problemen und Aufgaben, bei denen ich auf dem ersten Blick nicht mal ansatzweise eine Idee habe, wie man sie lösen könnte. An der LMU habe ich gelernt, solche Berge strukturiert anzugehen, mir das notwendige Wissen dafür anzueignen und mir selbst eine Lösung zu erarbeiten. Auch in Sachen Teamwork war mir gerade das Hauptstudium eine große Hilfe. Man kommt so oft in schwierige, verzwickte Situationen mit Menschen, die eigentlich alle das gleiche Ziel erreichen wollen, und sich trotzdem häufig gegenseitig (oder selbst) dabei im Weg stehen. Ich bin froh, nicht im stillen Kämmerlein studiert zu haben, sondern schon erste Erfahrungen in kleinen Projekten gemacht zu haben. Davon profitiere ich nahezu täglich.
Was ich komplett neu lernen musste, sind die organisatorischen Rahmenbedingungen und Strukturen innerhalb des Unternehmens. Da habe ich mich anfangs schon etwas „verloren“ gefühlt und wusste in den ersten Wochen nicht so recht, wohin mit mir. Fachlich stand ich außerdem vor der Misere, dass sehr viele Entwickler in der Firma sehr spezialisierte Studiengänge („Game Development“ etc.) hatten und ich mich mit dem viel breiter ausgelegten Wissen erst in die Tiefe einarbeiten musste. Das war anfangs wirklich schwierig, aber nach einiger Zeit habe ich gemerkt, wie gut sich Neues mit Gelerntem verknüpfen lässt – das hat die anfängliche Unsicherheit schnell wieder wett gemacht.

Blog: Wie bist du denn vom Studium zu deinem Job gekommen?
Dhana: Ich wurde im Abschlussjahr auf einer Messe auf die Gameforge aufmerksam, habe mich auch direkt mit den Recruitern vor Ort unterhalten und hatte direkt ein gutes Gefühl dabei, sodass die Entscheidung kurz danach fiel und ich der „Qual der Wahl“ zum Glück nicht lange ausgeliefert war. Ich habe mich viel über andere Stellen informiert und abgewägt (vor allem Jobmessen und Portale im Netz sind da eine tolle Möglichkeit), aber der Kernpunkt der Entscheidung war dennoch: ich will einen Job, der sich bereits im Vorfeld „gut anfühlt“, sodass ich mir vorstellen kann, jeden Tag gern hin zu gehen, mich dort weiterzuentwickeln (fachlich wie persönlich) sowie Spaß und Erfolgserlebnisse aus der Arbeit zu ziehen.

Blog: Vielen Dank für das ausführliche Interview! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg in deinem Beruf.

Seid ihr auch ehemalige Studenten unseres Studiengangs, oder kennt ihr jemanden dessen Portrait in dieser Kategorie unbedingt noch fehlt, dann mailt uns.

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Ein Gedanke zu „Ehemaligenportrait: Dhana Sauernheimer

  1. Pingback: Ehemaligenportrait: Irina Anastasiu | Blog

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