Ehemaligenportrait: Sebastian Kraiker

Sebastian Kraiker ist der zweite in unserer Serie der „Ehemaligenportraits“. Sebastian hat nach dem Studium auf freiberuflicher Basis bei verschiedenen Projekten mitgearbeitet und ist aktuell in ein Gründungsprojekt involviert. Der Uni ist er durch seine Rolle als Vorsitzender des LMU Alumnivereins Informatik immer noch sehr verbunden.

 

Blog: Wie genau hast du Medieninformatik studiert?
Sebastian: Ich habe 2002 angefangen, Diplom-Medieninformatik zu studieren und bin 2008 fertig geworden. Zusätzlich habe ich noch Technology Management am CDTM studiert (das ist auch als Zusatzstudium konzipiert und ich kann es sehr empfehlen) und war ein Semester in Australien.

Blog: Wie lange hast du insgesamt studiert?
Sebastian: Insgesamt waren es fünfeinhalb Jahre. Mir war es damals auch nicht wichtig, schnell fertig zu werden, weil ich viel aus dem Studium mitnehmen wollte. Aber im Nachhinein denke ich mir schon, dass es etwas zu lange war. Denn nach dem Studium hört man ja nicht auf, neues zu lernen, sondern das Gegenteil .Das war mir damals nicht so bewusst.

Blog: Und was ist danach passiert?
Sebastian: Seit dem Ende meines Studiums habe ich fast nur selbständig gearbeitet, teilweise in Projekten mit anderen, teilweise als Freiberufler auf eigene Rechnung. Seit letztem Jahr bin ich aber in ein größeres Gründungsprojekt involviert. Wir entwickeln ein System, mit dem man in Restaurants mit dem eigenen Smartphone bestellen und bezahlen kann, und gründen daraus eine eigene Firma. Unser Team zählt mittlerweile sechs Köpfe.
Nachdem ich im Projekt fast von Anfang an dabei war und mittlerweile die nötige Erfahrung habe, übernehme ich die technische Gesamtleitung. Das bedeutet viele verschiedene Aufgaben, was mir aber auch viel Spaß macht.  Ich spreche mit Kunden und Kooperationspartnern, sofern es um die Technik geht,  was mich in letzten Monaten schon nach Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und Salzburg geführt hat. Ich entwerfe und programmiere das Kernsystem (übrigens in Ruby on Rails) und lege die Schnittstellen fest, so dass die anderen Entwickler damit arbeiten können. Mit denen bin ich natürlich im ständigen Austausch und muss schauen, dass am Ende ein Gesamtsystem herauskommt, bei dem alle Komponenten miteinander arbeiten. Am besten noch zum vorgesehenen Zeitpunkt. Achja, den muss ich natürlich auch im Voraus schätzen, damit wir den Rollout planen können.

Blog: Was machst du in deinem aktuellen Projekt ganz konkret?
Sebastian: Ein Beispiel: Wir fahren nach Berlin, um mit dem Besitzer einer Restaurantkette über sein neues Projekt zu reden und darüber, wie unser System dort einsetzbar ist. Am Abend geht es weiter nach Hamburg. Im Zug erstelle ich ein UML-Diagramm, um dem Hersteller des Kassensystems der Restaurantkette  im Meeting am nächsten Morgen zu zeigen, wie der technische Ablauf im Hintergrund sein könnte. Zurück in München präsentiert unsere Interaction-Designerin das User Interface, das sie für die iPhone-App vorsieht, und wir legen die nächsten Schritte gemeinsam mit einem Frontend-Entwickler fest. Ich entwerfe nun eine Schnittstelle, welche die App ansprechen kann, um zu erfahren, ob ein bestimmtes Produkt (z.B. Cola) in verschiedenen Größen vorliegt. Zuerst dokumentiere ich sie für die anderen Entwickler. Dann implementiere ich sie in unserem Serversystem und schreibe automatische Tests, um zu sehen, ob es funktioniert. Am nächsten Tag stehen dann wieder Benutzertests an, um zu schauen, ob unbedarfte User auch mit dem System zurecht kommen, und so weiter…

Blog: Was verdient man denn so als Freiberufler und Firmengründer?
Sebastian: Als Firmengründer verdient man am Anfang eigentlich noch gar nichts, bis man einen Investor hat. Aber wenn man eine staatliche Förderung wie das Exist-Stipendium bekommt, kriegt man immerhin 2000€ im Monat für ein Jahr lang. Als Freiberufler dürfte man mit einem Stundensatz von vielleicht 50€ bis 60€ anfangen und sich mit etwas Erfahrung auf 75€, 85€ und mehr steigern. Wobei man eben auch (unbezahlte) Zeit aufwenden muss, um Kunden zu finden und Aufträge zu gewinnen.

Blog: Welche besonderen Erinnerungen hast du an dein Studium?
Sebastian: Besonders ist mir ein Spontan-Konzert von Prof. Hennicker in Erinnerung. Wir hatten die Übung zu Objekt-Orientierter Softwareentwicklung in einem Musiksaal ganz oben im Hauptgebäude. In dem standen auch eine Orgel und ein Klavier. In der Übung kurz vor Weihnachten rief ich am Ende noch: „Herr Hennicker, wollen Sie nicht noch ein Weihnachtslied spielen?“. Darauf er: „Naja, ein Weihnachtslied habe ich nicht, aber vielleicht was anderes“ – setzt sich ans Klavier und spielt spontan einen unglaublichen Boogie Woogie vor den erstaunten Studenten.
Arbeitstechnisch ist mir vor allem das Programmierpraktikum in Erinnerung. Es war eine coole Erfahrung, zum ersten Mal im Team ein richtiges Software-Projekt zu machen. Es war zwar viel Arbeit, aber die Atmosphäre im Team war super und wir sind dicke Freunde geworden.

Blog: Und negative Erinnerungen? Gab’s die auch?
Sebastian: Hm. Das vierte Semester war nicht so toll, was aber vor allem daran lag, dass ich zu wenige Veranstaltungen hatte und fast nur auf die Vordiploms-Prüfungen wartete. Klingt zwar blöd, aber der Leerlauf kann einem auch zu schaffen machen. Naja, mit dem Bachelor-Studium kann einem das wahrscheinlich nicht mehr passieren.

Blog: Erzähl uns doch etwas zu deiner Abschlussarbeit.
Sebastian: Meine Diplomarbeit war bei BMW und es ging darum zu testen, welche Auswirkungen ein Tutor-Programm im Computer des Autos hat, das den Fahrern die Sprachbedienung interaktiv erklärt. Also, kommen die Leute danach besser mit der Sprachbedienung zurecht als bisher? Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, auch in so einer etablierten Firma zu arbeiten. Ich wurde danach auch nochmal kontaktiert. Eine Anstellung stand im Raum, auf die ich aber zugunsten der Selbständigkeit verzichtet habe.

Blog: Aus der Sicht deines jetztigen Arbeitsalltags. Was hat dir das Studium nicht mitgegeben?
Sebastian: Ruby on Rails habe ich mir nach dem Studium selber beigebracht, um effiziente Web-Entwicklung machen zu können. Das war auch eine sehr gute Entscheidung. Aber die Techniken der objekt-orientierten Entwicklung, des Projektmanagements und das Wissen über Benutzerstudien und Kommunikation in verteilten (oder parallel laufenden) Systemen kommen mir immer wieder in der Praxis zugute.

Blog: Hast du einen Tipp für die aktuellen Studenten?
Sebastian: Für Medieninformatiker kann ich im Nebenfach KW das Thema „Quantitative empirische Methoden“ empfehlen. Das spielt eine große Rolle bei Benutzerstudien, weil es bei der Sozialforschung um das Messen von menschlichem Verhalten geht. Allerdings auf eine sehr analytische Weise, was einem als Informatiker ganz gut liegen sollte.

Blog: Hast du einen guten Rat für den Jobeinstieg nach dem Studium?
Sebastian: Puh. Ich habe seit der Uni  im wesentlichen selbständige Projekte gemacht, insofern bin ich da vielleicht der falsche Ansprechpartner. Die Unabhängigkeit als Selbständiger habe ich jedenfalls immer genossen, und es gibt wahrscheinlich wenige Fächer bei denen der Sprung in die Selbständigkeit so einfach ist wie bei der Informatik. Aber dazu muss man natürlich auch der Typ sein.

Blog: Möchtest du unseren Lesern noch abschließend etwas sagen?
Sebastian: Mit Informatik als Hintergrund hat man zur Zeit wirklich exzellente Möglichkeiten, Jobs oder Aufträge zu finden. Also wenn man analytisches Denken nicht ganz furchtbar findet, kann ich das Studium nur empfehlen. Mit Medieninformatik hat man auch wirklich abwechslungsreiche Themen, also eine exzellente Wahl, finde ich.

Blog: Vielen Dank für das ausführliche Interview! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg in deinem Beruf besonders für das eigene Gründungsprojekt.

Seid ihr auch ehemalige Studenten unseres Studiengangs, oder kennt ihr jemanden dessen Portrait in dieser Kategorie unbedingt noch fehlt, dann mailt uns.

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