Ehemaligenportrait: Andreas Möller

Andreas Möller hat 2010 sein Studium an der LMU beendet, hatte aber noch nicht genug von der Uni und wechselte an die TU München. Dort arbeitet er nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand.

Blog: Wie genau hast du Medieninformatik studiert?
Andreas: Ich habe 2004 mit dem Medieninformatik-Studium angefangen, mein Vertiefungsgebiet war Kommunikationswissenschaft. Mich hat damals gereizt, dass es kein reines Informatikstudium ist, sondern auch Dinge wie die menschliche Wahrnehmung und Human-Computer Interaction einschließt – wir entwickeln Systeme schließlich für Menschen. Im 7. Semester war ich für 6 Monate in den USA an der Carnegie Mellon University und habe dann schließlich im Frühjahr 2010 das Studium mit dem Diplom abgeschlossen.

Blog: War es einfach für dich sich an die Studiendauer zu halten?
Andreas: Ich habe meine Projektarbeit während meines Auslandsaufenthalts gemacht, was etwas länger gedauert hat als wenn ich sie an der LMU geschrieben hätte. Außerdem habe ich nicht nur die unbedingt nötigen Fächer „abgehakt“, sondern einiges zusätzlich belegt, was mich interessiert hat. Dadurch waren es insgesamt 11 Semester. Es war für mich aber okay, da mir gerade die Zeit in den USA persönlich sehr viel gebracht hat.

Blog: Nun erst mal zu den wichtigsten Fragen dieses Fragebogens. Dein jetziger Job?
Andreas: Ich bin immer noch an der Uni – allerdings jetzt als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter, und mittlerweile nicht mehr an der LMU, sondern an der TUM. Ich arbeite am Lehrstuhl für Medientechnik, genauer im Fachgebiet für Verteilte Multimodale Informationsverarbeitung bei Prof. Kranz – der übrigens selbst auch an der LFE Medieninformatik promoviert hat.

Blog: Wie sieht dein Alltag als Wissenschaftlicher Mitarbeiter aus? Was reizt dich daran?
Andreas: Der Schwerpunkt ist die Forschung, neben Lehre und dem Betreuen von Abschlussarbeiten. Alles in allem eine Kombi, die mir gut gefällt. Forschen ist spannend, weil man wirklich mal eigene Ideen ausprobieren und neue Wege gehen kann. Gleichzeitig ist die Atmosphäre an der Uni inspirierend, und es macht viel Spaß mit motivierten Studenten zusammenzuarbeiten. Die normale Arbeitszeit sind 40 Stunden pro Woche, wobei man aber nicht immer pünktlich Feierabend macht, und es kann auch mal das Wochenende einer Deadline zum Opfer fallen. Dafür kann man sich seine Arbeitszeit relativ frei einteilen und ist sehr eigenständig in dem, was man macht. Und wenn schließlich das eigene Paper auf einer internationalen Konferenz von der Fachwelt gewürdigt wird, ist das ein tolles Gefühl. Die Früchte der eigenen Arbeit so konkret sehen zu können, gefällt mir an meinem Job mit am besten. Man ist nicht nur kleines Zahnrad in einem großen Getriebe, sondern arbeitet immer auch auf seine eigene Promotion hin.

Blog: Um welches Thema dreht sich deine Promotion genau?
Andreas: Bei meiner Forschung geht es darum, wie wir mit zukünftigen Computersystemen interagieren; der Trend geht ja zu immer kleineren und immer mehr vernetzten Komponenten und Geräten. Sensoren und Aktivitätserkennung spielen hier eine große Rolle. Dafür gibt es viele Einsatzgebiete, zu denen wir in unserem Fachgebiet auch schon geforscht haben, z.B. „intelligente Umgebungen“ oder Unterstützungssysteme im Gesundheitsbereich. Aktuell arbeite ich in einem Projekt zur Indoor-Navigation auf dem Smartphone. Da gibt es mehrere Herausforderungen. Zum einen die Lokalisierung selbst, die bei unserem System kamerabasiert funktioniert. Zum anderen auch das Interaktionskonzept, wo ich erforsche, wie das Interface automatisch an den Kontext anpassbar ist und wie man Absichten des Benutzers erkennen und in das System einfließen lassen kann.

Blog: Zurück zu deinem eigenen Studium. Was sind die positivsten Erinnerungen aus dieser Zeit?
Andreas: Die Praktika und Teamprojekte habe ich in sehr guter Erinnerung. Ob das die gemeinsame Spieleprogrammierung war, oder das Ausprobieren unserer Schauspielkünste beim Videodreh in der Medientechnik-Übung – es hat immer viel Spaß gemacht. In der Infovis-Übung haben wir mal im Dreierteam ein interaktives Data-Mining-Tool für eine Filmdatenbank geschrieben. Wir wendeten das „Extreme Programming“-Paradigma an und hatten vom ersten Konzeptentwurf bis zum fertigen Programm nur eine Woche Zeit. Es war sehr beeindruckend zu sehen, was man in so kurzer Zeit zustande bringen kann.

Blog: Vom positiven zum negativen. Was fandest du damals nicht so toll?
Andreas: Als ich mit dem Studium begonnen habe, gab es nur BWL oder Kommunikationswissenschaft als Vertiefungsgebiet, da hätte ich gern mehr Wahlmöglichkeiten gehabt. Ich finde es gut, dass inzwischen mehr Anwendungsfächer angeboten werden.

Blog: Worüber hast du damals Diplomarbeit geschrieben?
Andreas: Ich habe untersucht, wie man Lerngruppenszenarien oder Meetings effektiver gestalten kann. Die einzelnen Mitglieder bekamen automatisch generiertes Feedback, zum Beispiel darüber wie sie sich an der Diskussion beteiligen. Dann haben wir Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit beobachtet, oder ob dadurch die Redeanteile ausgeglichener wurden. Wir konnten tatsächlich einen positiven Effekt beobachten. Jetzt, in unserer Rolle als Lehrende, verfolgen meine Kollegen und ich regelmäßig auch E-Teaching-Trends und was man an neuen Technologien so in der Praxis einsetzen könnte. Ein System wie das aus meiner Diplomarbeit ist aber noch Zukunftsmusik.

Blog: Insgesamt, welche Kenntnisse aus dem Studium kannst du in deinem Arbeitalltag besonders gut gebrauchen?
Andreas: Was ist gute wissenschaftliche Arbeitsweise, z.B. wie führt man eine Benutzerstudie sauber durch, solches Wissen wende ich oft an. Da helfen mir die methodischen Kenntnisse aus dem Studium viel. In den ingenieurwissenschaftlichen Background an der TUM musste ich mich allerdings zunächst hineinfinden (meine Stelle ist an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik). Auch z.B. Android-Programmierung habe ich mir erst später angeeignet; da gab es noch keine Lehrveranstaltung dazu, als ich studiert habe. Aber innerhalb kurzer Zeit ändert sich in der Informatik generell so viel. In der Uni gelernt zu haben, neues Wissen zu erschließen, zu abstrahieren und Kenntnisse auf andere Zusammenhänge anzuwenden, finde ich viel wichtiger. Da hat sich die breite und interdisziplinäre Auslegung des Medieninformatik-Studiums gut bewährt.

Blog: Vielen Dank für das ausführliche Interview! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg in deinem Beruf besonders natürlich erstmal für die Promotion.

Seid ihr auch ehemalige Studenten unseres Studiengangs, oder kennt ihr jemanden dessen Portrait in dieser Kategorie unbedingt noch fehlt, dann mailt uns.

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