Katastrophenmanagement auf dem »Curve«

Der heutige Artikel stammt von Axel Hösl, Diplomant in der Arbeitsgruppe Mensch-Maschine-Interaktion von Prof. Butz. Er gibt Einblick in seine aktuelle Abschlussarbeit, bei der er eine Anwendung für das Katastrophenmanagement auf dem Curve entwickelt. Dieses Projekt erarbeitet er in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministeriums des Inneren, die sich darum kümmern, Qualität und Effizenz in Notrufbearbeitung und Katastrophenschutz zu gewährleisten, Thomas Gläser von envis precisely, der ihn bei der Entwicklung des Interfaces unterstützt und Fabian Hennecke vom Lehrstuhl.

(Dieser Beitrag erscheint parallel auch in ähnlicher Form im Blog von envis precisely.)

Startschuss: Eintauchen in die Materie

Zu Beginn meines Projektes hatte ich noch keine Erfahrungswerte aus dem Bereich Katastrophenschutz, daher verdeutlichten wir uns zuerst den Arbeitskontext und befragten die Mitarbeiter einer Integrierten Leitstelle (ILS). Bevor sie dort arbeiten können, durchlaufen die Mitarbeiter Ausbildungen in den Bereichen Feuerwehr und Rettungsdienst sowie am Einsatzleitsystem. Das macht sie zu Expertennutzern mit sozialer und technischer Kompetenz. Beide Dienste werden von ihnen alarmiert und bei Bedarf vom Katastrophenschutz über die Einsatzbereiche mehrerer ILS hinweg koordiniert.

Um die Qualität der Notrufbearbeitung zu sichern, werden die Kontrollräume der ILS mit dem Ziel gebaut die Stresstoleranz zu fördern. Die Vorgaben dafür beziehen sich hauptsächlich auf Architektur und Einrichtung. Eine Ausweitung dieses Konzepts auf die Ebene der Nutzerschnittstelle will ich näher untersuchen.

Die Interaktion am Curve

Ergonomie ist dabei ein wesentlicher Bestandteil, weshalb der Curve als Grundstein der weiteren Entwicklung ausgewählt wurde. Seit 2009 wird Curve – ein vertikal gekrümmtes Display – entwickelt, um die Möglichkeiten einer durchgehenden Arbeitsfläche zu untersuchen, die Vertikale und Horizontale übergangsfrei miteinander verbindet. Während der Entwicklung des Curves wurden mehrere Studien zur Ermittlung geeignter ergonomischer Parameter durchgeführt und deren Ergebnisse in seiner Konstruktion umgesetzt. Damit eignet sich der Curve für den Einsatz in den ILS und bietet zudem durch seine großen Abmessungen (120 cm Breite, 44 cm Höhe sowie 10 cm Kurvenradius) genügend Fläche um eine Vielzahl an Informationen darstellen, wie sie im Fall der Koordination von Rettungsdienst und Feuerwehr üblich sind.

Das Konzept im Papierprototyp

Das Konzept wurde schnell in ersten Papier-Prototypen umgesetzt und iterativ mit Experten des Katastrophenschutzes und Disponenten der ILS Ingolstadt evaluiert.

Zuerst wurden die Grundbestandteile des Systems und ihre Verteilung der Elemente auf Vertikale und Horziontale bestimmt. Wichtige Information über Einsatzdaten, Ort, Umgebung und Verlauf sollten ständig sichtbar sein und wurden deshalb in der vertikalen Arbeitsfläche untergebracht.

Eine Karte füllt diese Arbeitsfläche, wird aber an ihren Rändern durch reservierte Bereiche begrenzt. Zur Kartenarbeit werden am linken Rand des Displays Tangible User Interfaces (TUI) platziert.

Für offene Einsätze sowie eine Zusammenfassung der Einsatzdaten ist ein Bereich am rechten Displayrand vorgesehen. Eine Zeitleiste welche die Historie des Einsatzes zeigt, befindet sich am oberen Rand.

Aufeinander folgenden Arbeitsschritte wie Kommunikation, Dispostion, Objektschutz und Betreuung wurden in der horizontalen Arbeitsfläche angeordnet.

Die Buttons für die Arbeitsschritte befinden sich in den Ecken der Horizontalen und wurden gemäß ihrer Bearbeitungsreihenfolge im Uhrzeigersinn (beginnend unten links) platziert.

Im Übergang zwischen beiden Arbeitsfläche befindet sich eine Zwischenablage. Hier werden Objekte abgelegt auf die man später einsatzübergreifend wieder zugreifen möchte. Die vertikale Position des Objekts in der Zwischenablage – oben oder unten – gibt an in welcher Arbeitsfläche die zum Objekt hinterlegten Informationen angezeigt werden. Eine Positionierung in der Mitte steht dabei für beide Arbeitsflächen.

In darauf folgenden Sitzungen entstand ein Prototyp in Originalgröße, der zu klären half, wie groß in etwa einzelne Elemente sein sollten und wie die Elemente innerhalb der einzelnen Arbeitsflächen zueinander positioniert und proportioniert werden sollten.

Die Tangibles wurden in dieser Version durch eine Softwarelösung ersetzt. Probleme bestanden vorallem beim Verlust eines Tangibles, beim Kontextwechsel hinzu einem anderen Einsatz – eine Konfiguration kann nicht wieder hergestellt werden – und die maximale Anzahl an TUIs die aufgelegt werden können ist geringer als bei einer Softwarelösung mit Scrolling.

Zudem wurden die Position der reservierten Flächen in der Vertikalen getausch: die offenen Einsätze befinden sich nun links, die Kartenobjekte rechts. Das hat zum Vorteil, dass die Liste mit offenen Einsätzen der Leserichtung nach vor den Einsatzdaten kommt, was dem master/detail pattern in Leserichtung entspricht.

Die Evaluation eines Click-Dummies am Curve soll zudem helfen valide Systemgrößen für Schriftgröße, Icons und UI-Elemente zu finden. Die dabei ermittelten Größen der Elemente sowie ihre Verteilung wird anschließend in einem lauffähigen Prototypen implementiert. Studien mit Expertennutzern an diesem System sollen Daten liefern die das Fundament wissenschaftlicher Aussagen bilden.

Der Click-Dummy sowie die Implementierung sind zur Zeit noch in Entwicklung. Ende März 2013 werde ich das Projekt abschließen und den Prototypen in einer Präsentation vorstellen.

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