Erfahrungsbericht: Ein Semester in Glasgow

Der folgende Artikel ist ein Erfahrungsbericht von Daniel Buschek, der das Wintersemester 2012/2013 an unserer schottischen Partneruniversität in Glasgow verbracht hat. Falls du auch Interesse an einem Auslandssemester hast, schau auf unsere Seite für Auslandsaufenthalte vorbei. Ansprechpartner für Glasgow finden sich am Ende dieses Artikels.
buschek_glasgow_img_01Von September bis Dezember 2012 verbrachte ich drei Monate während eines Forschungspraktikums an der Universität in Glasgow. Ich fand die Möglichkeit spannend, eine Uni verstärkt aus Perspektive der Forschung zu erleben. Außerdem wollte ich immer gerne nach Schottland zurück, seit ich vor einigen Jahren dort einen Urlaub verbracht hatte.

Glasgow
Glasgow ist mit etwa 600.000 Einwohnern die größte Stadt Schottlands und die drittgrößte im Vereinigten Königreich. Der Fluss Clyde teilt die Stadt in eine Nord- und Südhälfte. Nach Edinburgh im Osten braucht man etwa 45 Minuten mit dem Zug, nach Westen zum Loch Lomond, ein bekannter See, etwa genauso lange.
Ich habe im West End gewohnt, bequeme fünf Gehminuten neben dem altehrwürdigen Universitätsgebäude. Eine große Auswahl an Pubs und Restaurants hat sich um die Uni geschart. Davon darf man gerne Gebrauch machen, schließlich gilt Glasgow als Curry-Hauptstadt Großbritanniens! Der sehr hügelige Kelvingrove Park und ein botanischer Garten bieten zudem Gelegenheit zu etwas Auslauf im Grünen. Die Gegend gilt als eines der besseren Viertel, wobei man aber keineswegs Münchner Maßstäbe anlegen darf: Schmutzige Gassen und sanierungsbedürftige Häuser sind in Glasgow, Kind der Industrialisierung, immer höchstens eine Seitenstraße weit entfernt. Einige Stadtteile sollte man auch besser meiden.

Die schöneren Seiten Glasgows findet man hingegen bei einem Besuch der zahlreichen Museen, Galerien und Ausstellungen. Solche kulturellen Angebote sind noch dazu eintrittsfrei und in sehr sehenswerten Gebäuden untergebracht. Glasgow bietet außerdem das laut Guinness Buch weltweit höchste Kino. Die Schotten und andere Reisende waren zudem immer sehr freundlich, hilfsbereit und einem Schwatz mit Fremden selten abgeneigt. Als Transportmittel innerhalb der Stadt habe ich vor allem die U-Bahn genutzt. Verfahren kann man sich nicht, da es nur eine einzige Rundlinie gibt.

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An der Uni 

Das Hauptgebäude der „University of Glasgow“ könnte problemlos in einem Harry-Potter-Film mitspielen. Die Informatik befindet sich aber in einem etwa weniger zauberhaften, moderneren Gebäude, welches allerdings auch seinen Zweck erfüllte. Da ich für ein Forschungspraktikum dort war, habe ich keine Vorlesungen besucht. Mein Kontakt zu anderen Studenten beschränkte sich deshalb auch auf Teilnehmer meiner Nutzerstudie.

Dafür konnte ich aber spannende Einblicke in und um den Forschungsbetrieb gewinnen. Das Team war sehr nett und ausgesprochen hilfsbereit. Die Zusammenstellung war überraschend international. Gespräche mit Menschen aus nahezu allen Teilen der Welt empfand ich sehr interessant und inspirierend, da man eine breite Palette an Perspektiven zu allen möglichen Themen bekommt. Auch die Teilnahme an Seminaren und Vorträgen, inklusive Tee und Kuchen, sowie den Nutzerstudien der Kollegen (z. B. Brain-Computer-Interaction) haben mir viel Spaß gemacht. Professoren und Dozenten kamen zudem gerne nach Feierabend mit ins Pub; alle nannten sich beim Vornamen. Die Atmosphäre war also denkbar positiv und unkompliziert.

Ein paar Worte zum fachlichen Umfeld: Die Gruppe dort verfolgt (u.a.) eine etwas technischere Perspektive auf HCI, d.h. die Anwendung von Maschinellem Lernen, Data Mining und ähnlichen Verfahren im Kontext von Multimedia und Nutzerinteraktion. Das hat mir sehr gut gefallen; für mich verband meine Aufgabe dort somit gewissermaßen das Beste zweier Welten: Einerseits eine technische, algorithmische Herausforderung, mit einer andererseits sehr nutzerbezogenen, „greifbaren“ Anwendung.

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Reisen
An den Wochenenden bin ich gern in andere Städte oder durch die Landschaft gefahren. Mit dem Zug kommt man sehr gut voran und wenn sich dieser über Hochpässe quält und durch die Nebel der Highlands rattert, so ist die Fahrt selbst schon ein eindrucksvolles Erlebnis. Die ganze Gegend eignet sich wunderbar zum Wandern: Ein Spaziergang am Strand, ein Ausflug in die Berge und dazwischen ragt die ein oder andere Burg in den Sturmhimmel. Das Wetter war besser als die üblichen Schottland-Klischees. Ja, mit Regen muss man zwar oft rechnen, aber der hält nie lange an. Ganze Regentage habe ich nicht erlebt. Der Höhepunkt für mich und meinen Fotoapparat war ein verlängertes Wochenende auf der Insel Skye: Meer und Berge kommen sich selten so nahe wie hier.

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Organisation
Der Kontakt nach Glasgow lief über eine Kommilitonin und Prof. Rohs, bei denen ich mich an dieser Stelle gerne noch einmal bedanken möchte! Eine E-Mail und ein Skype-Gespräch später war alles organisiert. Nur für die Wohnungssuche war deutlich mehr Aufwand nötig, da man fast nichts unter sechs Monaten findet. Innerhalb der EU, und auch von Seiten der Universitäten, gibt es dafür keine bürokratischen Hürden. In München ließ sich der Aufenthalt als Einzelpraktikum im Master anrechnen. Dazu vielen Dank an Simon Stusak und Prof. Hußmann! Bei Interesse könnt ihr Fragen aller Art gerne an mich richten (buschek@cip.ifi.lmu.de). Außerdem findet ihr hier die Seite der Gruppe: http://www.dcs.gla.ac.uk/idi/

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Fazit
Die drei Monate in Glasgow gehören für mich definitiv zu meinen spannendsten und interessantesten Erlebnissen. Sowohl fachlich als auch persönlich konnte ich viele Erfahrungen sammeln und durch den Austausch mit einem internationalen Umfeld neue Perspektiven gewinnen. Ich habe viele sehr sympathische und interessante Menschen getroffen und ein wunderschönes Land erkundet. Empfehlenswert!

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