Ehemaligenportrait: Florian Schulz

Florian Schulz Florian Schulz hat im Hebst 2004 das Studium begonnen. Mittlerweile arbeitet er als Softwareentwickler bei einer noch jungen Firma in München – einer Bibliothek für eBooks. Hier erzählt er uns von seinem Studium und seinem Wechsel ins Berufleben – zu viel sagt er… wir sagen genau richtig!

 

Blog: Hallo Florian! Erzähl uns, wie genau hast du Medieninformatik studiert?
Florian: Ich habe mein Medieninformatikstudium im Wintersemester 2004/2005 begonnen und daher noch einen Diplomabschluss gemacht. Vor Beginn des Studiums hatte ich – abgesehen von zwei, drei Stunden Turbo Pascal im Rahmen des Matheunterrichts an der Schule – keinerlei Programmiererfahrung und war mir daher auch nicht sicher, ob der Studiengang das Richtige für mich sein würde. Jedenfalls war das Medieninformatikstudium mein erstes und bisher einziges und ich habe eigentlich nie bereut, das Fach gewählt zu haben.

Blog: Wie lange hast du studiert?
Florian: Mein Studium lief bis Ende des Wintersemesters 2009/2010, war also insgesamt elf Fachsemester lang. Ich habe die Regelstudienzeit, die im Diplomstudiengang bei neun Semestern lag, also um ein Jahr verfehlt. Als Grund dafür fallen mir unterschiedliche Dinge ein: Zum Beispiel habe ich ein Semester für meine Projektarbeit an der Georgia Tech in Atlanta verbracht, das ich mir nicht als Urlaubssemester habe anrechnen lassen. Des Weiteren zog sich meine Diplomarbeit weit länger hin als ursprünglich geplant, da mein Thema sehr praxislastig war. Auch wurde die Regelstudienzeit natürlich eher als Richtwert, denn als ‚Muss‘ wahrgenommen und der Druck, sein Studium in der Zeit abschließen zu müssen, hielt sich in Grenzen. Da nahm man sich doch lieber die Freiheit, ein paar interessante Vorlesungen mehr zu hören als unbedingt nötig war oder ein paar Stunden mehr in der Woche zu arbeiten (oder zu feiern). Das zusätzliche Jahr habe ich im Übrigen auch nie bereut oder als vergeudet angesehen.

Blog: Wo arbeitest du derzeit und in welcher Branche ist dieses Unternehmen tätig?
Florian: Ich arbeite seit Ende meines Studiums als Softwareentwickler bei der Skoobe GmbH. Die Firma wurde erst 2010 gegründet und ich war einer der ersten Mitarbeiter. Von einem klassischen Startup unterscheidet sich Skoobe vielleicht dahingehend, dass unsere Geschäftsführer nicht gleichzeitig Anteilseigner sind, da sich die Firma im Besitz der zwei großen Verlagshäuser Random House und Georg von Holtzbrinck, sowie der arvato GmbH befindet. Man könnte sagen, Skoobe ist eine Mischung aus klassischem Startup und Joint Venture.
Unser Büro befindet sich in der Klenzestraße in München und wir sind derzeit 15 Kollegen.
Jetzt aber zu dem, was wir machen. Skoobe ist eine mobile Bibliothek. Als Mitglied hat man die Möglichkeit, gegen einen monatlichen Betrag beliebig viele Bücher aus unserem momentan gut 25.000 E-Books (Stand: Frühjahr 2013) umfassenden Katalog zu lesen. Es gibt dabei keine Leihfristen, Mahngebühren, Wartezeiten oder Ähnliches, man kann jedes Buch jederzeit lesen. Zugriff auf den Katalog gibt es derzeit über Apps für iOS- und Android-Geräte, sowie das Kindle Fire.
Da dieses Geschäftsmodell im Bereich der Unterhaltungsliteratur derzeit einzigartig ist und somit auch die Verlage Neuland betreten, haben wir uns viel Zeit gelassen und lassen können, das Modell und unsere App als Produkt zu evaluieren und Qualitätssicherung zu betreiben. So ging der Service erst nach einer einjährigen Testphase im März 2012 live und es ist auch seitdem keine Langeweile eingekehrt.

Blog: Und deine konkrete Rolle in der Firma?
Florian: Wie das so ist, mit vielen kleinen Firmen, so gibt es auch bei Skoobe eigentlich nur eine Hierarchiestufe, zwischen Geschäftsführung und dem Rest des Teams. Dementsprechend gibt es auch keine – meist eh recht inhaltslosen – Berufsbezeichnungen oder Titel. Ich würde mich allgemein als Softwareentwickler bezeichnen, bin aber in erster Linie für die Implementierung der iOS- und Android-App zuständig. Hinzu kommt ein nicht unerheblicher Teil, der die Mitgestaltung am Produkt betrifft und vielleicht am treffendsten als Interaktionsdesign bezeichnet werden kann. Hier wird viel über neue Features oder die Verbesserung bestehender Funktionen gesprochen und zum Teil auch hitzig diskutiert. Ein bisschen Webentwicklung und alles, wo sonst noch Not am Manne ist, vervollständigt dann mein Berufsbild.
Es ist also weder mit einer Programmiersprache, noch mit dem Programmieren selbst getan, Softwareentwicklung ist meiner Meinung nach vielmehr ein Prozess, bei dem die Implementierung nur einer unter mehreren Schritten ist.
Bei uns wird recht pragmatisch und agil gearbeitet, so dass man Features oft an Prototypen diskutieren und diese Benutzertests unterziehen kann. Die Diskussion folgt also zum Teil einer ersten Umsetzung und nicht andersherum.
Unsere Arbeitszeiten halten sich im Rahmen und bewegen sich normalerweise zwischen 40 und 45 Stunden in der Woche. Das hängt ganz davon ab, ob gerade ein Release oder eine – eigentlich immer von uns selbst gesetzte – Deadline ansteht.
Unser Arbeitsablauf kann am ehesten als abgewandelte Form von Scrum bezeichnet werden, das heißt wir vereinbaren in zweiwöchigen Iterationen Aufgaben und treffen uns täglich zu einem ‚Standup-Meeting‘, bei dem erledigte und anstehende Aufgaben, sowie etwaige Probleme kurz besprochen werden. Dieser Prozess integriert im Übrigen jede und jeden meiner Kolleginnen und Kollegen, nicht nur die Softwareentwickler.

Blog: Darfst du uns ein paar konkrete Projekte nennen?
Florian: Das meiste sollte eigentlich bereits oben erwähnt worden sein. Konkret ging es Mitte letzten Jahres um die Entwicklung einer Android-Version unserer iOS-App, die schließlich auch im Oktober 2012 veröffentlicht wurde. Seitdem arbeite ich in erster Linie an neuen Features für unsere Apps mit, helfe bestehende Funktionen zu stabilisieren (was natürlich fast nie nötig ist…) und war daran beteiligt, unser bisher geltendes Einführungsangebot in ein dreistufiges Preismodell umzuwandeln. Momentan arbeiten wir beispielsweise an einem dezenten Redesign unseres ‚Buchinfo-Screens‘, verbunden mit der Integration ähnlicher Bücher. Das soll den Lesern das Schmökern und Auffinden neuer, interessanter Titel erleichtern. Außerdem wird an ein paar Neuerungen in unserem Reader – dem Lese-Screen – also dem Herzstück unserer App, gearbeitet.
Meine Arbeit ist also nicht wirklich projektbezogen. Die Themen, an denen ich arbeite, können sich vielmehr von Sprint zu Sprint – also alle zwei Wochen – ändern. Wichtig für mich und wohl auch meine Kollegen ist jedenfalls, dass diese Themen nie in Stein gemeißelt sind. Unsere Chefs entscheiden zunächst gemeinsam, welche Prioritäten es ihrer Meinung nach gibt, diese werden uns dann aber nicht aufoktroyiert, sondern im Team besprochen und gegebenenfalls auch geändert.
Auf die letzte Frage kann ich eigentlich nur antworten, dass Software nie wirklich fertig ist. Das gilt auch für die Skoobe-App und das Drumherum, weshalb von ‚Schluss‘ nicht wirklich gesprochen werden kann. Unser Ziel ist es jedenfalls, eine App zu entwickeln, die unser Geschäftsmodell für Vielleser ideal ergänzt und sich qualitativ mit den E-Book-Apps der internationalen Konkurrenz mindestens messen kann.

Blog: Was verdient man in deinem Unternehmen in deiner Position durchschnittlich als Einsteiger?
Florian: Das hängt vermutlich ganz von der Qualifikation des Einsteigers und seiner oder ihrer Verhandlungsfähigkeit ab. Im ersten Jahr kann wohl von einem groben Richtwert zwischen 38.000 und 45.000 Euro ausgegangen werden. Was den Durchschnitt betrifft, bin ich aber leider überfragt.

Blog: Nochmal zurück zur Studienzeit. Was sind die positivsten Erinnerungen?
Florian: Puh, das Ende meines Studiums liegt inzwischen schon über drei Jahre zurück…
Ich habe auf jeden Fall positivere Erinnerungen an das Hauptstudium, das bei uns mit dem fünften Semester begann, da man sich von da an sehr frei einteilen konnte, welche Veranstaltungen man gerne besuchen möchte.
Eine lustige – wenn auch nicht sehr vorbildliche – Erinnerung habe ich an eine Vorlesung, die zusammen mit der TU veranstaltet wurde. Der Dozent – Prof. Hegering – hielt sie wöchentlich abwechselnd in Garching und in der Innenstadt, wobei sie in den jeweils anderen Raum per Video übertragen wurde. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass sie Freitag morgens um 8:30 Uhr gehalten wurde. Jedenfalls musste ich erfahren, dass nicht nur wir in der Innenstadt den Dozenten in Garching, sondern auch er uns sehen konnte, als ich – sozusagen remote – von ihm aus dem verdienten Schlaf gerissen wurde: „Eh, er da mit der blauen Hau’m und dem gelben Pulli – schnarcht der?“
Zu den weiteren sehr interessanten Phasen meines Studiums zähle ich auf jeden Fall mein Auslandssemester in Atlanta, in dem ich eine Projektarbeit im Augmented Reality Lab an der Georgia Tech schreiben konnte, sowie die – dann doch recht lange – Zeit meiner Diplomarbeit, in der ich einen interaktiven Tisch mit gebogenem Display (Curve) bauen durfte.

Blog: Gibt es auch Dinge, die dir nicht so gut gefallen haben?
Florian: Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich meine Mathevorlesungen im Grundstudium uneingeschränkt toll fand. Während des Lernens auf das Vordiplom hat sich zwar ein umfassenderes Bild des ganzes Stoffes ergeben, während der Vorlesungen war das aber doch mehr ein Durchkämpfen, das sich aber schließlich gelohnt hat.
Gestört hat mich außerdem, dass es keine große Wahlfreiheit beim Neben-, bzw. Vertiefungsfach gab. Wir konnten zwischen Kommunikationswissenschaften und Wirtschaft wählen. Hier wäre mir ein größeres Angebot sehr viel lieber gewesen.

Blog: Erzähl uns doch etwas zu deiner Abschlussarbeit.
Florian: Wie oben bereits erwähnt, habe ich während meiner Diplomarbeitszeit einen interaktiven Tisch mit gebogenem Display gebaut, den mein Betreuer Raphael Wimmer und ich später Curve tauften. Das Thema war nicht nur interessant, sondern auch sehr praxisorientiert. Dem eigentlichen Zusammenbauen der einzelnen Komponenten ging eine Studie voraus, in der ich versucht habe, herauszufinden, welche Maße, Biegunsradius und -winkel ideal für die Nutzer sind. Schließlich gab es noch etwas zu programmieren, wobei die Softwareentwicklung für meine Arbeit eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat.
Soweit ich weiß, wird Curve (wenn auch mit neuen Komponenten) weiterhin am Institut eingesetzt, es wird also weiter in diesem Bereich geforscht. Wir haben damals auch ein Poster Paper (http://www.medien.ifi.lmu.de/forschung/publikationen/detail?pub=wimmer2009CurvePoster), sowie eine Publikation auf der NordiCHI (http://www.medien.ifi.lmu.de/forschung/publikationen/detail?pub=wimmer2010Curve) veröffentlich. Auf meine jetzige Arbeit hatte mein Diplomarbeitsthema „Design and Implementation of a Curved Multi-Touch Desktop“ (Abschlussvortrag: http://www.medien.ifi.lmu.de/lehre/ws0910/os/material/DA_Abschlussvortrag_Florian_Schulz.pdf) allerdings keinen großen Einfluss.

Blog: Welche Kenntnisse aus dem Studium kannst du in deinem Arbeitalltag besonders gut gebrauchen?
Florian: Was mir bei meiner Arbeit sicherlich sehr hilft, ist Probleme aus Nutzersicht anzugehen, was meiner Meinung nach ein wichtiger Punkt im Studium war und sicherlich auch noch ist. Das beinhaltet Nutzertests und frühes Prototyping, das Erstellen von Personae etc. – alles Punkte die bereits in den frühen Tagen von Skoobe eine wichtige Rolle gespielt haben und auch noch spielen.
Bevor ich als Entwickler für mobile Anwendungen eingestellt wurde, hatte ich eigentlich keine Erfahrung mit der Entwicklung eben solcher mobilen Anwendungen, insbesondere hatte ich keinerlei Erfahrungen mit Objective-C. Da das Studium aber zu wissenschaftlichem Arbeiten befähigen und Studierenden beibringen soll, wie sie sich selbst helfen können, würde ich keinesfalls behaupten wollen, Programmierung in Objective-C habe im Studium „gefehlt“. Vielmehr lernt man das Programmieren ohnehin nur an konkreten Projekten, da kann und sollte die Uni immer nur eine Einführung geben.

Blog: Welchen persönlichen Ratschlag kannst du unseren derzeitigen Studierenden mit auf den Weg geben?
Florian: Ich hätte mir – wie oben schon erwähnt – im Nachhinein ein anderes Vertiefungsfach gewünscht und hätte allgemein mehr Weiterbildungsangebote der Uni genutzt, z.B. hätte ich gerne eine weitere Sprache gelernt. Man sollte seinen Studierendenstatus also nutzen, solange man ihn hat. Abgesehen davon würde ich kaum etwas anders machen wollen.

Blog: Was denkst du macht eine erfolgreiche Suche nach einem Beruf aus?
Florian: Als Absolventen eines Studiengangs, der als eher technisch bezeichnet werden kann, gibt es derzeit meiner Erfahrung nach kaum Probleme, einen Job zu finden. Ich hatte das Glück, von meinem jetzigen Technikchef auf einer Absolventenplattform direkt angeschrieben zu werden, bevor ich dazu kam, mich zu bewerben.
Die Wahlmöglichkeit bedeutet aber auch, dass vermutlich nicht nur gute Angebote an einen herangetragen werden. Insbesondere bin ich der Meinung, dass das Gehalt nur eines von mehreren Entscheidungskriterien ist. Weitaus wichtiger ist es, gut mit seinen Kolleginnen und Kollegen auszukommen, einen Job zu machen, der Spaß macht und auch nicht seine komplette Freizeit opfern zu müssen. Auch die Ethik sollte nicht zu kurz kommen, man sollte immer hinter dem stehen, was man macht und sich nichts schönreden (müssen).
Hilfreich im Bewerbungsprozess (hier beginnt bei mir allerdings die Spekulation) kann es in jedem Fall aber sein, Profile auf Jobplattformen (wie XING, LinkedIn oder Absolventa) zu pflegen und sich so die Möglichkeit offen zu halten, von Firmen angeschrieben zu werden. Insbesondere Headhunter versprechen aber schnell das Blaue vom Himmel, es ist also immer ein bisschen gesundes Misstrauen geboten.

Blog: Liegt dir abschließend noch etwas am Herzen, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Florian: Ich glaube, ich habe eh schon viel zuviel gesagt…

Blog: Vielen Dank für das ausführliche Interview, deine Erinnerungen und Erfahrungen! Alles gute weiterhin für dein Berufsleben.

Seid ihr auch ehemalige Studenten unseres Studiengangs, oder kennt ihr jemanden dessen Portrait in dieser Kategorie unbedingt noch fehlt, dann mailt uns.

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