Ehemaligenportrait: Tobias Stockinger

Tobias StockingerTobias Stockinger hat im Wintersemester 2007 das Studium zum Medieninformatiker gestartet. Aktuell arbeitet er in seiner Heimatstadt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Passau. Hier erzählt er uns von seinem Werdegang und seinem aktuellen Forschungsgebiet.

Blog: Hallo Tobias! Wie genau hast du Medieninformatik studiert?
Tobias: Ich habe im Jahr 2007 gleich nach dem Abitur angefangen Medieninformatik zu studieren – das war der erste Bachelor-Jahrgang. Man hat damals schon gemerkt, dass der Bologna-Prozess für alle Beteiligten ungewohnt war, aber ich persönlich kam gut damit zurecht (ich kannte es ja nicht anders). Ich hatte über eine Broschüre inkl. DVD, die am schwarzen Brett unserer Schule hing, vom Studiengang erfahren und war sofort begeistert, dass es keine „reine“ Informatik ist. Mich hatte damals der Multimedia-Schwerpunkt gereizt.

Blog: Wie lange hast du studiert?
Tobias: Nach dem Bachelor 2010 hab ich gleich den Master drangehängt und war nach insgesamt 10 Semestern einer der ersten Medieninfo Master-Absolventen. Für mich war es nicht schwer, die Regelstudienzeit einzuhalten, da man ja Stundenplanvorschläge bekommt. Außerdem ist das Angebot an Übungsterminen an einer großen Uni breit gefächert. Man hatte also bei Überschneidungen meistens Ausweichmöglichkeiten. Was den Arbeitsaufwand betrifft – ich glaube, da sind wir gut weggekommen. Ich konnte nebenbei immer arbeiten gehen und hatte trotzdem noch viel Freizeit. Jedenfalls mehr als jetzt 😉

Blog: Wie verlief dein Einstieg ins Berufsleben?
Tobias: Das war bei mir super entspannt. Ich habe ein XING bzw. LinkedIn Profil erstellt, um mich anschließend auf die Suche zu machen. Dann haben sich aber sehr schnell ein paar Recruiter gemeldet und nach etwas mehr als einem Monat hatte ich einen Job, der mir gefiel. Ein Motivationsschreiben musste ich nicht verfassen. Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt noch gegen die Bewerbung auf eine Promotionsstelle entschieden, weil ich dachte, erste Praxis-Erfahrungen würden mir ganz gut tun – und das war auch der Fall.

Blog: Was ist dein jetziger Job?
Tobias: Ich arbeite seit März als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Passau. Nach dem Studium hatte ich erst als „User Experience Designer“ / „Frontend Developer“ bei einer Münchner Firma angefangen (die im Übrigen von einem LMU-Medieninformatiker technisch geleitet wird). Jedoch kam dann kurz darauf ein besonderes Angebot in die Mailbox geflattert. Mir wurde angeboten, in meiner Heimatstadt zu forschen, zu lehren und dann dort zu promovieren. Das war für mich ein echter Glücksfall. Jetzt bin ich am Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Eingebettete Systeme bei Prof. Dr. Matthias Kranz. Den Lehrstuhl hat er im März übernommen und ich war gleich von Anfang an dabei. Mittlerweile sind noch zwei weitere ehemalige LMU-Medieninformatiker als Doktoranden mit an Bord.

Blog: Was sind dort deine Aufgabengebiete?
Tobias: Meine Hauptaufgabe ist die Lehre. Das heißt, ich halte Übungen und Seminare, betreue Abschlussarbeiten und darf hin und wieder bei Vorlesungen einspringen. Danach kommt die Forschungsarbeit. Meine offiziellen 40-Stunden darf ich mir relativ flexibel einteilen. Es kommt überwiegend während des Semesters schon mal vor, dass man mal länger im Büro bleibt. Aber das hohe Maß an Eigenverantwortung und Flexibilität ermöglichen dann einen Ausgleich – und das ist einfach klasse.

Blog: Erzähle ein wenig über dein aktuelles Forschungsgebiet?
Tobias: Ich beschäftige mich mit irrationalem Verhalten von Menschen, vorwiegend wenn es um Zeit und Geld geht. Es gibt dazu schon viele Erkenntnisse aus der Psychologie und Verhaltensökonomik, die ich jetzt im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion untersuche. Genauer klassifiziert bewege ich mich im Umfeld von Persuasive Computing. Mein letztes Projekt zielte darauf ab, Leute beim Sparen zu unterstützen – herausgekommen ist dabei eine Spardose, die mit einer Smartphone-App kommuniziert. Am Ende der ganzen Forscherei soll eine Promotion stehen.

Blog: Was verdient man als wissenschaftlicher Mitarbeiter?
Tobias: Dazu einfach „Wissenschaftlicher Mitarbeiter Öffentlicher Dienst Gehalt“ googeln 😉 Es sind ca. 40000€ brutto im Jahr.

Blog: Was sind die positivsten Erinnerungen an dein Studium?
Dominik: Ich denke es ist nicht einfach, hier etwas Bestimmtes herauszupicken. Mir haben die Team-Projekte viel Spaß gemacht (z.B. Medientechnik, MMI, Android Praktikum, Sketching with Hardware). Mein Schlüsselerlebnis war jedoch eine kleine Publikation (Link) während der Masterarbeit. Schon die Ergebnisse meiner Bachelorarbeit wurden in einem Paper (Link) festgehalten, wo ich jedoch „nur“ als Co-Autor drauf stand. Als ich dann zum ersten Mal selbst meine Forschung zu Papier gebracht hatte (zusammen mit meinem Betreuer), war das für mich was Besonderes. Ich durfte auch auf die Konferenz fahren und dort meine Arbeit vorstellen (Link). Ich schätze, zu diesem Zeitpunkt habe ich erstmals in Erwägung gezogen, weiter an der Uni zu bleiben.

Blog: Was hat dir nicht so gut gefallen?
Tobias: Im Nachhinein wäre als Nebenfach für mich Psychologie, bzw. Mensch-Maschine Interaktion interessanter gewesen als Medienwirtschaft. Das wurde zu der Zeit aber noch nicht angeboten.

Blog: Welche Kenntnisse aus deinem Studium kannst du besonders gut anwenden im Berufsalltag?
Dominik: In dem Berufsleben habe ich verstanden, wozu Universitäten gut sind und was man dort lernen sollte. Und glücklicherweise habe ich genau das mitgenommen. Auf einer Seite kriegt man theoretische Kenntnisse, Prinzipien und Technologien vorgestellt. Lernen muss man aber selbst. Im Beruf kommt das Anwenden. Und man kann eigentlich im Enterprise nicht viel mit theoretischem Wissen anfangen. Und hier kommt die Uni ins Spiel. Ich habe doch gelernt wie man sich Wissen erarbeitet. Und ich verstehe die Technologie. Also werde ich mit wenig Aufwand auch die Praxis bewältigen. Und das Lernen wird nie aufhören.

Blog: Mit welchem Thema hast du dich in deiner Abschlussarbeit auseinandergesetzt?
Tobias: In meiner Masterarbeit ging es darum, taktiles Feedback für Multi-Touch Interaktionen zu untersuchen. Man kennt ja z.B. Vibrationen am Smartphone wenn man dort Text eingibt. Ich habe mir angesehen, wie solches Feedback mit mehreren Berührpunkten gestaltet werden kann. Das Thema spielt meiner Meinung nach eine große Rolle, weil immer mehr Touchscreens mit Multi-Touch Fähigkeiten in unser Leben dringen. Dadurch geht die Haptik von Knöpfen und Oberflächen leider größtenteils verloren. Wenn man das gut kompensieren könnte, wäre das schon fantastisch.

Blog: Welche Kenntnisse aus deinem Studium helfen dir nun besonders gut in deinem Berufsalltag?
Tobias: Ich denke an der Uni wird man auf einer recht theoretischen Ebene auf das Berufsleben vorbereitet. Für meinen Job im Unternehmen waren Programmier-Skills hilfreich, die aber im Studium gar nicht im Vordergrund stehen. Aber die gelehrten Konzepte und Hintergründe erlauben es einem, sich schnell mit bestimmten Problemen zurechtzufinden. Man könnte sagen, es wird einem beigebracht, sich bei Bedarf die Dinge schnell selbst beizubringen. Im Moment hilft es mir, dass ich im Studium einige Vorträge gehalten habe und mir beigebracht wurde, wie man wissenschaftlich arbeitet.

Blog: Welchen persönlichen Ratschlag kannst du unseren derzeitigen Studenten auf den Weg geben?
Tobias: Ich glaube als Medieninformatiker ist man dazu prädestiniert über den Tellerrand zu schauen. Wenn man sich die Grundlagen der Informatik angeeignet hat, sollte man schauen, was in anderen Disziplinen gemacht wird. Dort kann man sich inspirieren lassen, um eigene Ideen zu entwickeln. Mit dem technischen Background kann man die dann auch selbst umsetzen. Und: Ideen immer gleich im Sketchbook festhalten.

Blog: Vielen Dank für das ausführliche Interview, deine Erinnerungen und Erfahrungen! Alles Gute weiterhin auf deinem Berufsweg.

Seid ihr auch ehemalige Studenten unseres Studiengangs, oder kennt ihr jemanden dessen Portrait in dieser Kategorie unbedingt noch fehlt, dann mailt uns.

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